Event-Eishockey am Ende - Der DEG laufen die Zuschauer weg

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Ja, es geht um nicht weniger als die Auswirkung des entfesselten Turbokapitalismusses auf Sportveranstaltungen als emotionales Gemeinschaftserlebnis. Dieser Trend betrifft nicht nur das Eishockey, sondern in anderer Form auch den Fußball und eigentlich auch alle Sportarten, die nennenswerte Zuschauerzahlen ziehen.

Fangen wir mit dem Schlimmsten an. Dem Unverständnis der Macher: "Das ist absolut ernüchternd. Wir können uns das nicht wirklich erklären, denn das Spiel war ja neben allen anderen Gründen auch sportlich hochinteressant", sagt DEG-Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp laut EXPRESS.de vom 15.02.09. Der Herr Schmellenkamp kann sich nicht erklären, dass in den gefühlsarmen ISS-Dome zu den Spielen der DEG nur noch weniger als 5.000 Leute kommen. Dabei haben der Herr Schmellenkamp und seine Konsorten doch genau diesen Trend befördert. Er ist ratlos, dass so wenig Zuschauer erscheinen, obwohl eine Begegnung sportlich hochinteressant ist. Als ob es beim Besuch eines Eishockeyspiels um sportliche Interessen ginge. Entweder der Herr Schmellenkamp ist naiv oder hat von den Rahmenbedingungen des Profisports im Kapitalismus keine Ahnung. Für Letzteres spricht die erbärmliche Werbekampagne der DEG in der Stadt. An den hässlichsten Bahnüberführungen hängen grellbunte Banner mit dem völlig bescheuerten Claim "Unser Team. Unsere Leidenschaft." Da lacht der Düsseldorfer laut auf, denn weder ist die zusammengewürfelte Söldnertruppe "unser" Team, noch kann von Leidenschaft die Rede sein.

Die Geschichte der DEG

Das war einmal ganz anders. Und vermutlich versuchen die Schmellenkamps dieser Stadt, alte Zeiten heraufzubeschwören. Nur verstehen sie nicht im geringsten, was die - okay, nennen wir es so - Leidenschaft der DEG-Fans bis etwa 1992 ausgemacht hat. Reden wir vom Eisstadion an der Brehmstraße, dem Geburtsort des Fan-Supports schlechthin - übrigens nicht nur im Eishockey, denn viele Gesänge und Rituale, die in den frühen 70ern an der Brehmstraße von den Fans erfunden wurden, fanden ihren Weg auch in die Fußballstadien. Dieses Eisstadion war ein hässlicher, eiskalter, zugiger und ungemütlicher Ort - so lange keine Zuschauer darin waren. Erst 1969 wurde das Ding überdacht. Vorher konnte es passieren, dass ein Spiel wegen Regen oder Schnee stundenlang unterbrochen wurde und die Fans den Naturerzeugnissen über drei, vier Stunden ungeschützt ausgesetzt waren. Dafür wurde jedes Tor der Heimmannschaft mit dem Abfeuern von Feuerwerksraketen gefeiert, direkt aus den Stehblöcken. Heute würde Derartiges von den dummfaulen Medienvertretern gleich zur Ausschreitung hochsterilisiert.

In dieser Ära, die spätestens mit dem Aufstieg der DEG in die erste Eishockey-Bundesliga 1965 begann, war es Rock'n'Roll an die Bremstraße zu pilgern. Es ging nicht so sehr um Eishockey, es ging um das Ereignis, an dem man teilhaben wollte. Es ist kein Zufall, dass das einzige größere Rockfestival, das je in Düsseldorf stattfand (Joint-Meeting 1969), eben in diesem Eisstadion abgehalten wurde. So wie die Altstadt als längste Theke der Welt in jenen Jahren Zentrum der Jugendkultur war, so war das Eisstadion ein weiterer Ort der Solidarisierung, der Freude, der Emotion. Was die DEG-Verantwortlichen NIE verstanden haben: Das Eisstadion an der Brehmstraße war Heimat. Man ist da nicht primär hingegangen, um die DEG siegen zu sehen. Man ist ins Eisstadion gepilgert, um dort Freunde zu treffen und mit ihnen ein Erlebnis zu teilen. Das Spiel bildete da nur die Folie, und natürlich war die Art des Feierns unterschiedlich, je nachdem ob die DEG gewann oder nicht. Aber letztlich haben sich die Fans IMMER selbst gefeiert.

Dass dabei nach und nach auch Fachwissen einsickerte und man sich auf den Stehrängen auch mal über die Qualitäten und die Form einzelner Spieler unterhielt, blieb nicht aus. Viel wichtiger als die sportliche Leistung waren de Ecken und Kanten der Typen - angefangen bei Otto Schneitberger über Peter John Lee und Chris Valentine bis zu Peter Hejma und Rick Amann. Das waren Menschen zum Anfassen. Man ging in die öffentliche Laufzeit und traf die hochprominenten Spieler, die gerade das Training beendet hatten. Oder: In gewissen Altstadtkneipen saßen regelmäßig Fans und Spieler beim Altbier zusammen und hatten Spaß.

Die Distanz war aufgehoben, weil die Spieler begriffen, dass die Zuschauer gleichwertige Akteure des gemeinsamen Ereignisses waren.

Wie selbstverständlich meldeten DEG-Fans ihre Söhne an, damit sie später auch Eishockeyspieler würden. Der Besuch im Eisstadion war fester Bestandteil des Wochenplans, und von den maximal 10.500 Anwesenden wares es immer mindestens 9.000, die immer kamen. Das Eisstadion war auch ein Marktplatz des Dorfes. So bildeten sich feste Gruppen, die ein festes Territorium auf den Stehtribüne hatten. Diese Stammesgebiete waren teilweise durch Absperrband kenntlich gemacht, und es fiel jeweils einem Mitglied zu, so früh zu erscheinen, dass es den Bereich reservieren konnte. Gehörte man zu keiner dieser Gruppen, war es schwer, einen Platz zu finden. Am besten, man stellte sich zu einer existierenden Gruppe und fragte, ob man dort bleiben könne. Wenn man mindestens fünfzehnmal an einer Stelle erschein, wurde man informell aufgenommen. Aber diese Gruppen, aus denen nur in wenigen Fällen Fan-Clubs entstanden, waren mehr Familie als alles andere. Da gab es die ältere Dame, die immer Frikadellchen, Kartoffelsalat und/oder Kuchen mitbrachte. Oder den Typen, der regelmäßig ein 10-Liter-Fässchen spendete. Überhaupt: Ganz selbstverständlich brachten die Zuschauer Essen und Trinken mit - in der heutigen Zeit der Catering-Franchise-Marketing-Versorger undenkbar.

Denn: Heute ist der Zuschauer Kunde und nicht mehr Teil des Spektakels.

Die Veränderung

Zwei Ereignisse markieren die grundsätzliche Veränderungen der DEG-Kultur: der Bau der so genannten "Sponsor-Tribünen" und das Hauptsponsoring durch die Firma Epson. Beides geschah ungefähr gleichzeitig. Der japanische Druckerhersteller wurde um 1987 herum Hauptsponsor der DEG. Davor war der Verein in eine wirtschaftliche Krise geraten, verursacht vor allem durch den allgemeinen Trend, amerikanische und kanadische Spieler einzukaufen und fürstlich zu entlohnen. Der damalige Kommunikationschef von Epson (Kurt Schreiber?) fädelte den Deal ein, bestand aber darauf, dass die Spieler zukünftig nicht mehr im klassischen Rot-Gelb aufliegen, sondern in der Firmenfarbe. Es dauerte einige Zeit bis de Fans die hellblauen, türkisfarbigen Triktos akzeptierten. Und es taten lange nicht alle. Auch wenn das Eisstadion in jener Zeit des sportlichen Erfolgs immer noch jederzeit ausverkauft war, einige Anhänger wandten sich bereits ab.

Anfang der neunziger Jahre wurden Sitzplatztribünen auf der Gegengeraden gebaut. Und zwar oberhalb der Stehränge und dicht unter dem Dach. Die Tickets für diese rund 1.200 Plätze wurden praktisch immer als Freikarten an Mitarbeiter, Kunden und Partner der Sponsoren vergeben. Das störte die Stimmung nicht weiter. Als aber die Stehplätze unterhalb der Anzeigentafel auf der Südtribüne aufgegeben und durch weitere Sponsorensitzplätze ersetzt wurden, gab es erste Fan-Aufstände. Denn für diese Maßnahme mussten Gruppen ihre Stammplätze verlassen, die teilweise seit mehr als fünfzehn Jahren dort Spieltag für Spieltag gestanden hatten. Immerhin kam rund die Hälfte der gut 2.000 Vertriebenen an anderer Stelle unter, aber auch dieses Mal verließen viele die DEG für immer.

Die DEG war zu einem Produkt geworden, das im Sinne von Sponsoren vermarktet wurde.

In diese Zeit fällt auch das Verbot, Speisen und Getränke mitzubringen. Bis dahin bestand die Verpflegung nur aus den zwei Bierständen der Stadiongastsstätte Kreutzer, der kombinierten Bier- und Pommesbude am nördlichen Ende der Sitzplatztribüne und dem Ausschank direkt am Restaurant, das in die Ecke zwischen West- und Nordtribüne eingebaut war. In der Realität wurde das Verbot nie konsequent durchgesetzt, was auch daran lag, dass die Ordner - die teilweise über 20 Jahre Dienst an den Einlasstoren taten - daran nicht interessiert waren.

Letzte Höhepunkte

Wer 1965 den Aufstieg, 1967 die erste deutsche Meisterschaft und die beiden Titel in den siebziger Jahren miterlebt hatte, für den war die DEG mit diesen Veränderungen gestorben. Die Menschen, die dort zu Freunden geworden waren, trafen sich jetzt eher in der Altstadt oder feierten gemeinsam zuhause. Eine letzte glorreiche Phase ergab sich in den frühen neunziger Jahren. Plötzlich war es "Kult" bei den Yuppies, sich die DEG anzugucken. Vorher war die Zuschauerschaft ein Spiegelbild der Gesellschaft. Weite Bereiche der Stehplatztribüne wurde von Arbeitern und kleinen Angestellten genutzt. Die Sitzplatztribüne galt als Platz für die Vertreter des reichen Klüngels. Da diese sich weniger gern an Anfeuerungsaktionen beteiligten, schallte regelmäßig der Slogan "Scheißtribüne" durchs Stadion. In den Siebzigern nahm die Zahl der Schüler und Studenten unter den Fans zu. Aber plötzlich war es hip und cool, zwischen dem Prollpack zu stehen und die DEG anzufeuern.

Eishockey genoß in Deutschland wechselnde Beliebtheit. Bis weit in die 60er hinein war es der Sport der bayerischen Dörfer. Erst der Aufstieg der DEG, die Erfolge der beiden Krefelder Clubs und die Gründung des *ölner Eishockeyvereins (erst 1972 als Abspaltung des 1936 gegründeten, notorisch erfolglosen *ölner EK entstanden) brachten das Eishockey in die Metropolen - von Berlin einmal abgesehen, wo der inzwischen nicht mehr im Eishockes aktive Berliner SC immer eine große Nummer war. Die 1958 neugegründete Eishockey-Bundesliga brauchte fast zehn Jahre bis sie öffentlich wahrgenommen wurde. Dass dies geschah hat ihren Grund auch in der regelmäßigen Berichterstattung über die Spiele in den Sportsendungen des Ersten Deutschen Fernsehens (jetzt ARD) und des ZDF. In den siebziger Jahren tat sich besonders das dritte Programm des WDR hervor, das regelmäßig Live-Übertragungen von Spielen aus Düsseldorf, Krefeld und *öln anbot.

Von TV-Rechten und Millionensummen war damals noch nicht die Rede.

Das Privatfernsehen ignorierte das Eishockey anfangs völlig. Selbst die ausgewiesenen Sportsender brachte bestenfalls Zusammenschnitte. Das änderte sich mit dem Beginn des Pay-TV in Deutschland 1990. Premiere kaufte sofort die Fernsehrechte an der Eishockey-Bundesliga und brachte jede Woche mindestens zwei Live-Übertragungen. Viele der abgewanderten DEG-Fans wurden zu ersten Premiere-Kunden, und einige Fan-Gruppen trafen sich nun nicht mehr im Eisstadion, sondern zum Gucken der Premiere-Übertragungen.

Für die Popularität des Eishockeys war die Bronzemedaille bei den olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck von herausragender Bedeutung. Denn damit fand der Sport auch außerhalb der Städte, in denen es Ligamannschaften gab, wachsendes Interesse. Gerade im Westen und Norden des Landes erlebte Eishockey einen Schub, der sich vor allem dadurch auszeichnete, dass sich in Kleinstädten (bestes Beispiel: Iserlohn) ortsansässige Unternehmer fanden, die ihren Club in die Bundesliga zu hieven versuchten. Da solche Aktionen mit dem Engagement eines Mäzens stehen und fallen, begann ab 1980 eine Geschichte von Pleiten, Rückzügen und Vereinsauflösungen. Die Eishockey-Bundesliga galt plötzlich als chaotisch und unseriös, die Berichterstattung im Fernsehen ging zurück.

In Düsseldorf brachten die vier aufeinanderfolgenden Meisterschaften zwischen 1990 und 1993 der DEG noch einmale maximalen Rückhalt in der Stadt. Auch wenn die Finalsiege gegen Retortenclubs wie Hedos München oder den SB Rosenheim eingefahren wurden. Denn die Tradition des deutschen Vereins-Eishockeys war längst gebrochen. Der Berliner SC, der Traditionsverein schlechthin, war im Chaos des Berliner Eishockeys untergangen. Der EV Füssen, 16-maliger Meister, spielte unterklassig und wurde 1983 nach der Pleite neu geründet. Dem SC Riessersee ging es nicht viel anders, wurde 1996 durch einen faulen Mäzen in die Pleite geschickt und fristet heute als Farmteam des Retortenclubs aus Nürnberg sein Dasein. Auch der EC Bad Tölz konnte sich nie wieder zum Format vom Anfang der Sechziger aufraffen. Der VfL Bad Nauheim ging 1983 pleite. Als EC Deilinghofen begann 1959 Eishockey im sauerländischen Iserlohn; dieses Team ging gleich sechsmal pleite und wurde immer wieder unter anderem Namen neu gegründet. Von den Eintagsfliegen des deutschen Eishockeys wie den Teams aus Ratingen, Duisburg, Essen, Oberhausen und München soll hier gar nicht gesprochen werden.

Die aktuelle DEL, die aus gutem Grund keinerlei Abstiegsregelung kennt und somit zur nominell Zweiten Bundesliga keine Verbindung hat, besteht so aus Teams, die mit dem jeweiligen Eishockey des Standort wenig oder nichts zu tun haben. Zu den absoluten, geschichtsfreien Retortenclubs zählen neben den Hamburg Freezers und den Wolfsburg Grizzlies, um nur die absurdesten zu nennen, auch solch merkwürdige Einheiten wie Hannover Scorpions, die aus dem EC Wedemark enstanden sind und den Namen dieser üblen Band tragen müssen, die Sinupret Ice Tigers aus Nürnberg, die offiziell nicht einmal den Namen der Stadt tragen, sowie die Straubing Tigers.

Das deutsche Eishockey zu Zeiten der DEL ist vollständig amerikanisiert, also heimatlos.

Das Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell des Profi-Eishockeys ähnelt dem des Profi-Fußballs, ist aber weniger komplex und deshalb leichter zu durchschauen. Es fußt auf Einnahmen aus TV-Rechten, Sponsoring, Eintrittsgeldern und Merchandising. Ziel aller DEL-Franchises ist es, kostendeckende Budgets aufzustellen und einzuhalten. 2004 erzielte die DEL einen Gesamtumsatz von 62 Millionen Euro, also durchschnittlich 3,9 Millionen. Da alle Teams dieselben Einnahmen aus den Fernsehrechten haben, bilden diese einen Sockelbetrag von etwa 300.00 Euro pro Saison. Bei Etats von bis zu 6 Millionen Euro spielen diese Einnahmen eine eher geringe Rolle. Bei geschätzten 150.000 aktiver DEL-Fans sind auch die Merchandising-Erlöse mit insgesamt maximal 7,5 Mio fast zu vernachlässigen. Bei einem Zuschauerschnitt von rund 6.200 und insgesamt rund 700 Spielen pro Saison besuchen rund 4,3 Millionen Leute die Spiele. Am wichtigsten sind daher die Einnahmen aus Sponsorgeldern.

Die Attraktivität einer Sportart für Sponsoren - nicht: Mäzene! - hängt von der Sichtbarkeit der Veranstaltungen ab. Wenn Eishockey aber praktisch nur im Pay-TV zu sehen ist, dann liegt dieser Wert relativ niedrig. Entsprechend gering ist das Sponsoreninteresse und um so größer ist die Rolle der Mäzene, die sich ein Eishockey-Franchise leisten. Deshalb haben die DEL-Macher vor längerem angestrebt, den Zuschauerschnitt zu heben und so den größen Einnahmeblock zu sichern und zu vergrößern. Die Grundannahme war: Man müsse den Kunden in den Eisarenen mehr bieten: Mehr Bequemlichkeit und mehr Show. Die Analysten gingen davon aus, dass die eventhungrigen Großstadtmenschen keine Lust hätten, die kalten, zugigen Hallen herumzustehen, nur Bier, Pommes und Bratwurst verzehren zu können und, um den vollen Genuss zu haben, sich mit dem Eishockey als Sport auseinanderzusetzen.

Natürlich war auch den Eishockey-Marketeers klar, dass ein Event nur dann für Touristen interessant wäre, wenn es Emotionen böte. Denn die perverse Denke dieser Species ist es ja, Sportprodukte über die Emotion zu verkaufen. Man hatte beobachtet, welche extreme Wirkung ein Stadion voller Menschen, die mit ganzem Herzen ihre Mannschaft anfeuern, haben können und wieviel Glückshormone dabei freigesetzt werden. Man rechnete damit, dass es genug am Eishockey wenig interessierte Besucher gäbe, die wegen der Stümmung zu den Spielen gehen würden, ohne selbst mit anzufeuern.

Emotion beim Sport kann nicht künstlich erzeugt werden.

Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Am wenigsten bei der DEG. Die rund 3.000 engagiertesten Fans, die Spieltag für Spieltag ganz in Rot-Gelb gekleidet zu den Begegnungen gehen, hat man im ISS-Dome auf eine Stehtribüne auf Höhe der Eisfläche verklappt. Wie wenig man sich dabei gedacht hat, zeigt die Tatsache, dass anfangs die Leute in den ersten Reihe mit den Köpfen kaum auf Höhe der Band standen und das Spiel nicht sehen konnten.

Die smarten Marketing-Fuzzis haben außerdem gedacht, man könne Stümmung erzeugen durch allerlei Show-Elemente. Bereits die Einfürhung von Cheergirls bei der DEG zu Eisstadion-Zeiten funktionierte nicht bzw. wurde von den Fans nicht akzeptiert. Geradezu als Ausbeutung wurde verstanden, dass die berühmten Wunderkerzen der DEG-Fans nicht mehr nur auf den Stehrängen brannten, sondern mit weiterer Pyrotechnik aufgepeppt beim Einlaufen der Mannschaft auf dem Eis entzündet wurden.

Die Rolle der Gesänge wurde dramatisch unterschätzt. In der Zeit vor dem ersten Bulli läuft im Dome brüllend laute Popmusik der schlechten Sorte. Damit die Fans sich wenigstens kurz selbst hören, wird eine kurze Pause kurz vor dem Start eingelegt. Ein stadtbekannter Spochtrepochter gibt den Einpeitscher, und auf dem gigantischen Videowürfel läuft entweder Werbung oder irgendwelches Zeuch, das Emotionen darstellen soll.

Die wahren Fans wurden zur Jubelmasse degradiert.

Die Folgen

Der Kapitalismus löst alle Bindungen auf. Denn soziale Bindungen, Beziehungen zwischen Menschen verhindern den Konsum. So muss das Indviduum vereinzelt werden, damit es im Kaufen und Konsumieren Trost findet. Die Masse ist aus kapitalistischer Sicht gefährlich, wenn sie nicht durchs Konsumieren betäubt und durch gelenkte Kommunikation gehirngewaschen wird. Konsum im Umfeld von Emotionen wie Heimatliebe, Solidarität etc. kann nur funktionieren, wenn man diese Emotionen ausbeutet. Dies geschieht, indem man die echten Emotionen zu Produkten umformt und den Konsumenten vorgaukelt, sie könnten sich diese Emotionen erkaufen wie jede andere Ware.

Das funktioniert nur so lange, wie die Menschen mitspielen, die im gegebenen Umfeld solche echten Emotionen entwickeln, die den Konsumenten als Erlebnis verkauft werden sollen. Auf den Prozess des Verkaufs von Emotionen ist die gesamte Vermarktungskette des Profisports fokussiert. An diesen Vertriebsprozess binden sich die Unternehmen durch Werbe- und PR-Maßnahmen, dies in der Hoffnung, der Konsument möge die fremden Emotionen als eigene begreifen und auf die beworbenen Unternehmen und Produkte übertragen.

Es scheint, als akzeptieren die Konsumenten diese Prinzipien im DEL-Eishockey nicht (mehr). Die Aktivitäten der echten Fans, die kaum sicht- und hörbar sind, übertragen sich nicht (mehr) auf die Event-Touristen, die ein Erlebnissurrogat suchen. Es gibt für die Konsumten des Eishockeys kaum noch einen Grund, dieses Produkt zu kaufen. Ein Übergang vom Event-Touristen zum Fan findet nicht mehr statt, weil es keine Möglichkeit gibt, sich mit einem Spielort, einem Team oder den Spielern zu identifizieren. Dies ist an der sinkenden Beliebtheit der DEG in jeder Hinsicht abzulesen. Denn die gewünschte Emotion braucht keinen Konfort, sondern Bindungen unter Gleichgesinnten und Beziehungen zu den Akteuren auf dem Eis, die ja Stellvertreter für die Kämpfe sind, die der Fans selbst nicht austragen kann und/oder will. Dass nur noch die - sportlich völlig unbedeutenden - Begegnungen der DEG mit den *ölner Haien im Dome ausverkauft sind, belegt diesen Aspekt. Da geht es nicht um Eishockey, da geht es um ein Nacherleben der größten denkbaren Rivalität, der zwischen Städten, also Heimaten, den Wettbewerb darum, am besseren Platz in besseren Freundeskreisen zu SEIN. Da geht es in keinster Weise um Kaufen und HABEN.

Wenn der Herr Schmellenkamp in dieser Situation den "sportlichen Wert" anführt, dann zeigt dies in aller Deutlichkeit, dass er nichts, aber auch gar nichts verstanden hat.

Autor: rainer'sche-post

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