Heute auf der Post in Bilk

Briefkasten
Foto: anSICHThoch3 / pixabay / CC0 Creative Commons

Ja, es gibt sie noch, die guten, alten Dinge. Zum Beispiel das Postamt. Auch wenn die Logistics-Manager jetzt von Filialen sprechen - die Post an der Ecke Heresbachstr. / Feuerbachstr. in Düsseldorf-Bilk ist und bleibt ein Postamt. Da können die den Postbeamten noch so blöde Klamotten um- und noch so bescheuerte Lampen über den Schaltern aufhängen - es steckt in den Menschen, das Postamt. Um allen Ressentimentsjägern das Segel aus dem Wind zu drehen: Die Mitarbeiter der Deutschen Post dieser Filiale sind durchweg sehr, sehr freundlich und hilfsbereit, wenn auch einen Hauch langsam. Und dafür, dass IMMER entweder der Briefmarken- oder der Geldautomat kaputt ist, dafür können die Damen und Herren ja nichts.


Eigentlich wollte ich auf dem morgendlichen Gang mit dem Hund da nur vorbei, um ein bisschen Geld und ein paar Marken zu ziehen. Letzteres mit dem Ziel, drei Briefe abzuschicken. Allein, der gelbe Kasten, aus dem gegen Münzen hässliche Aufkleber flutschen sollen, war außer Dienst. Also stellten wir uns an der Schlange, die ausnahmsweise nicht bis auf die Straße reichte, an. So ein heutiges Postamt hat ja was von nem 1-Euro-Laden: Blöde Postkarten, Paketsets, Bürozeuchs und Prepaid-Handys stehen und hängen herum und sehen billich aus. Schätze, dass die Schlangen bewusst produziert werden, um den einen oder anderen Lustkauf zu provozieren. Passiert aber nur selten.


Relativ neu in der gemütlichen Filiale ist eine Infosäule der Postbank. Sie besteht aus massenweise Corporate Design, dem fett gedruckten Wort “Information” und einem Bildschirm. Schlangestehend ist man fast gezwungen, hinzuglotzen. Und was läuft da unter dem Etikett “Information”? 60 Prozent altbekannte TV-Spots für die verschiedenen Produkte der Postbank. 10 Prozent Wetter - kann man aber auch sehen, wenn man raus guckt. Der Rest wird von n-tv (oder war’s N24) beschickt. Nicht dass es da Nachrichten gäbe - weit gefehlt! Wir sehen komische Bilder und lesen auf dem durchlaufenden Spruchband, dass Barbara aus dem Dschungel-Camp gewählt wurde, dass Bohlen bei DSDS wieder hart drauf war, dass die Haute Couture wieder im Kommen ist und dass der Koch jetzt auf Wirtschaftsthemen setzt. Das hat keinen Nähr- und nur minimalen Unterhaltungswert. Ich dachte so bei mir, ob die Deutsche Post einfach auch nur ein Teil der landewsweiten Verblödungsindustrie ist und kam zu dem Schluss: Ja.


Dann dachte ich ebenfalls so bei mir: Wenn die Deutsche Post -sammerma- 50 Prozent ihrer sinnlosen Werbung einstellen würde und vom Gesparten ein paar mehr Postbeamte einstellen würde, dann wäre die Schlange in der Postfiliale Düsseldorf-Bilk vermutlich nie länger als zwei Personen und man bräuchte diese blöde Verdummungssäule nicht, weil da nie einer drauf gucken würde. Und schließlich dachte ich bei mir, dass es eigentlich ganz töfte wäre, wenn all die blauen, grünen und orangenen Postimitate einfach Pleite machen würden wie Springers PIN und die Post wieder ein Staatsunternehmen würde und die Filialen wieder Postämter hießen und die Mitarbeiter wieder Uniformen trügen und Postbeamte genannt werden würden. Bekäme die Post auch noch das Paketmonopol zurück, würden die Straßenterroristen in den kackbraunen Autos auch wieder verschwinden, es kämem stattdessen richtige Postautos und keine DHL-Transporter, und der Briefträger würde einem auch schonmal als Gedlbriefträger den Lottogewinn vorbeibringen. Ich glaube, die Welt wäre wieder ein bisschen liebenswerter...


Autor: Rainersacht

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